Ortsnamen Stillfried

Orte mit Namen Stillfried

1. Stillfried in Niederösterreich an der March, ca. 30 km
Die bedeutende frühgeschichtliche Ausgrabungsstätte, wo eine Besiedlung seit dem Jungpaläolithikum nachgewiesen werden konnte, brachte sehr schöne Tongefäße und Tassen zum Vorschein. Die Epoche dieser feinen, schwarzgebrannte Keramik erhielt die Bezeichnung „Stillfriedkultur“. Auch römerzeitliches Fundmaterial wurde entdeckt. Im Bereich des „Römerhügels“ verortet die Ausgräberin H. Stiglitz ein Kleinkastell des 4.Jh. Ein Brennofen, in dem Lehmkugeln gebrannt wurden, die die römischen Militäreinheiten als Schleuderkugeln benutzten, konnte ausgegraben werden. Besichtigung im interessanten Ortsmuseum Stillfried
Eine Sage erzählt, wie der Ort STILLFRIED zu seinem Namen kam:

Die ersten Siedler des Marchfeldes bekriegten sich mit einem slawischen Stamm. Dort, wo sich heute der Ort Stillfried befindet, kam es schließlich zu einer blutigen Schlacht, die sich in die Länge zog und nicht enden wollte. Da hellte eines Tages der dunkle Himmel über dem Schlachtfeld auf. Von der Anhöhe des Berges flog langsam eine Gans herab und zog ihre Kreise über dem Schlachtfeld. Die Krieger die Gans sahen, riefen laut: „Macht Stille, Frieden“! Als die slawischen Feinde die Gans über ihren Köpfen kreisen sahen, ergriffen sie voll Schrecken die Flucht. Seither wurde der Ort des Schlachtfeldes Stillfried genannt. In dem Ortsteil, wo die Gans erstmals gesehen wurde, heißt noch heute eine Straße „Gans“.
(Quelle: http://www.stillfried-grub.at/stillfried-grub_at/index.htm)

 


 

Andere mögliche Erklärungen:

1.    Ausgrabungen haben ergeben, dass früher in Stillfried eine Pfahlburg stand ( Aber die  Ableitung Pfahl = Stiel? Einfriedung = Fried? ist nach Mitteilung des Etymologen Dr. Stefan Hackl an der Universität Regensburg nicht wahrscheinlich, da das Wort Stiel(stil) immer nur für dünne Stiele oder Stengel, allenfalls Werkzeugstiele, nicht aber für Pfähle verwendet wurde) Auch spricht dagegen, dass es viele Pfahlburgen gab, dieser Name aber fast nur in Verbindung mit Stoymir bzw. der Familie Stillfried vorkommt.

2.    Möglicherweise aber haben die Burg und der Ort den Namen von ihrem Erbauer Stoymir, der in Bayern den Namen Stillfried erhalten hat und hier im Marchfeld vom Kaiser als Grenzgraf zum Schutz gegen Avarer und Mährer eingesetzt wurde. Umgekehrt kann auch der Burgname zum Familiennamen geworden sein.

Urkundlich erscheint Stillfried, als König Heinrich III. am 15.Juli 1045 dem Markgrafen Siegfried zwischen March und Thaya „proxime ville Stillefriede ( nahe des Dorfes Stillfried ) verschiedene Güter verleiht. Rudolf Stillfried erwähnt weitere Urkunden,. So wird 1178 die Burg mit ihrem Besitzer „Fidericus de perge Stillivridi“ genannt. 1207 wird „Hirzo de Stilfrit“ erwähnt. Später waren die Herren von Stenitz aus dem Geschlechte der Grafen von Schinta (in Ungarn) mit Stillfried belehnt. 1277 schenkt ein Chunradus genannt von Stillfried eine Mühle in Stillfried an die Johanniter zu Morberg(Mailberg). Auf dem Siegel heißt er Graf von Schinta. 1280 tritt er als Chunradus de Stenitz, Bruder von Graf Leupold de Schinta auf.
Lehensherren waren 1299 die Landenberg und danach die Zelking  (Zelchinch), deren Wappen eine auffallende Ähnlichkeit zu den von Smiřic zeigt.

Auf dem Marchfeld bei Stillfried (Stilvrit) fand am 26. August 1278 die berühmte Schlacht zwischen Ottokar von Böhmen und Rudolf von Habsburg statt, bei der es um die Nachfolge als Kaiser ging. Das Geschlecht der Stillfriede gehörte zu den Rittern, die Ottokar und den Přemysliden bei dieser Schlacht und über ihren Sturz hinaus die treue hielten. Es scheint bei den Verwüstungen des Krieges vom Marchfeld vertrieben worden zu sein. Die Überlebenden fanden wahrscheinlich Aufnahme bei ihren Vettern in Ratenice (Rattonitz), wo schon 1384 eine St.Jakobskirche nachweisbar ist. Dieses Ratenice liegt Nahe Podiebrad, östlich von Prag. Die böhmischen Stillvrit, Stylfryd , von denen die heutigen Stillfried abstammen, tragen den Beinamen Raténice, Ratienicz, Radnicz, Raednitz, Rettnitz, Rednitz,  Radnitz, Rattenitz,Radtonitz oder Rattonitz. Anfang des 14. Jhd. wird in einem „liber erectionum“ (Verzeichnis der Erhebungen) ein Smrz von Radnicz genannt. Radnicz könnte sich auf einen Ort dieses Namens bei Pilsen (westlich von Prag) beziehen, vermutlich ist aber das östlich von Prag gelegene Radnitz (Ratenice) mit seiner Jakobskirche gemeint.

Die Burg wurde größtenteils durch die Hussiten  zwischen 1423 und 1427 zerstört, von 1516 an heißt sie nur noch „der öde Burgstall“, im Lehensbuch von 1587-1610 nur noch Platz und Burgstall der ehemaligen Veste Stillfried“, nahe der St. Georgskirche.

2. Stillfried (tsch: Víska u Dětřichova), Dorf zu Dittersdorf, Ostböhmen, wurde im Jahre 1693 unter dem Grafen Johann Friedrich von Trautmannsdorf angelegt. Im Jahre 1930 gehörte das Dorf Stillfried zu Dittersdorf, Bezirk und Gerichtsbezirk Leitomischl,. Es hatte 205 Einwohner, davon waren alle Sudetendeutsche(Deutschböhmen). 1939 – 1945 zum Landkreis Zwittau gehörig. Kirchenbücher (Matrikel) Stand 1930: siehe Dittersdorf und Abtsdorf

Der Komponist Ditter von Ditterdorf lebte während seiner letzten Jahre im Hause Stillfried in … (Wisowitz, Silbitz???)

3. Stillfriedsdorf (Gem. Bscheschina), Kreis Kamnitz an der Linde (Ortsteil) Oberlandratsbezirk: Deutsch Brod Tschechisch: Štilfrýdov

Quelle: Amtliches Deutsches Ortsbuch des Reichprotektorats Böhmen und Mähren, 2. Auflage, Prag 1940, findet sich unter
http://exonyme.kilu.de/Board/showthread.php?tid=72&page=2)

Ist dieses identisch mit Stillfriedsdorf bei Roth-Lotha?
Laut Rudolf Stillfried ist der Ort Stillfriedsdorf bei Roth-Lhota im Tarborer Kreis, jüngeren Datums. Roth-Lotha befand sich im Eigentum von Ignatz Stillfried und seinem Sohn Karl. (s. Geschichtl. Nachrichten aus dem Geschlechte Stillfried von Rudolph Stillfried)

Zusammenstellung: Norbert Graf Stillfried, 2008